Thema · Bergmagie

Tengu und Yamabushi – Geister der Berge als Kampfkunst-Lehrmeister

天狗 · 山伏

In den hohen Wäldern Japans wohnen Wesen, die seit Jahrhunderten als die wahren Unterweiser der Kampfkunst gelten. Dieses Dojo trägt nicht zufällig ihren Namen.

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Tengu Yamabushi Bergmagie · Tengu Akasha Dojo, spirituelle Kampfkunst von Dr. Mark Hosak
Tengu Yamabushi Bergmagie · spirituelle Kampfkunst-Tradition

Der Berg als spirituelle Landschaft

In Japan ist der Berg kein Ort. Er ist ein Wesen. Das Wort yama (山) bezeichnet im Shinto nicht nur die geologische Formation, sondern den Sitz der Kami – der göttlichen Kräfte, die dort wohnen. Wer einen japanischen Berg betritt, betritt ein Heiligtum.

Das hat Folgen. Die gesamte spirituelle Kultur Japans – Shinto, Zen, Shingon und die Shugendo-Tradition – hat ihre Wurzeln in der Begegnung zwischen Menschen und Berg. Das prägende Bild ist nicht der Unterweiser, der auf einer Matte sitzt. Es ist die Gestalt, die allein in den Wäldern verschwindet und nach Monaten verändert zurückkehrt.

Dieses Bild ist nicht Romantik. Es ist das strukturelle Zentrum einer ganzen Kultur der spirituellen Praxis – und es ist die Matrix, aus der die klassischen japanischen Kampfkünste hervorgegangen sind. Wer die Kampfkunst ohne den Berg versteht, versteht nur ihr äußeres Gewand.

Shugendo und die Yamabushi

Shugendo (修験道) – „der Weg der Übung und der geistigen Erfahrung" – ist die japanische Bergreligion, die ab dem 7. Jahrhundert aus der Verschmelzung von Shinto, esoterischem Buddhismus und frühem Daoismus hervorgegangen ist. Ihre Praktizierenden heißen Yamabushi (山伏) – „die im Berg liegen". Sie sind weder Mönche noch Priester im klassischen Sinne, sondern wandernde Asketen, die spezifische Berge in festgelegten Zyklen durchqueren, an bestimmten Stellen Rituale vollziehen und dadurch eine Verbindung zu den Kräften dieser Orte herstellen.

Das Shugendo ist die Wurzel fast aller klassischen japanischen Kampfkünste. Was die Samurai an kultivierter Körperpraxis, Atemarbeit und Geist-Stabilität mitbrachten, kam nicht zuerst vom Schlachtfeld – es kam aus den Bergen, übertragen durch Yamabushi, die gleichzeitig als Unterweiser und als Spirituelle Führer gearbeitet haben. Das Kuji Kiri, die neun Siegel, die heute im Ninjutsu praktiziert werden, ist eine direkte Übernahme aus der Shugendo-Ritualpraxis.

Die Tengu – wer sie sind

In den japanischen Bergen wohnen die Tengu (天狗). Übersetzt: „Himmelshunde". Ein seltsamer Name für Wesen, die meist mit Vogelmerkmalen dargestellt werden – rotem Gesicht, langem Schnabel oder langer Nase, Flügeln auf dem Rücken, Kleidung eines Yamabushi. Ursprünglich aus chinesischen Sternenmythen übernommen, entwickelten sich die Tengu in Japan zu eigenständigen Wesen der Berg-Wildnis.

Was sie in der japanischen Überlieferung tun, ist bemerkenswert: Sie unterweisen Menschen in der Kampfkunst. Die berühmteste Geschichte erzählt von Minamoto no Yoshitsune, dem tragischen Krieger-Helden des 12. Jahrhunderts, der angeblich als Kind in den Bergen von Kurama lebte und dort von einem Tengu-König die Schwertkunst übernommen bekam. Dieselbe Grundgeschichte findet sich in dutzenden Varianten, in denen Tengu bestimmten Krieger-Linien ihr Wissen weitergaben.

Man kann das als Märchen lesen. Man kann es auch als sprachliche Form für eine Erfahrung lesen: dass die hochkomplexen Bewegungen der alten Schulen nicht aus menschlicher Erfindung allein stammen können. Jemand musste sie zeigen. Und wenn dieses „Jemand" nicht menschlich war – weil es in menschlicher Erinnerung keinen Anfang gibt –, dann trägt es einen Namen. In Japan ist dieser Name Tengu.

Tengu als spirituelle Unterweiser

Die Tengu-Unterweisung ist kein Mythos im Sinne einer gewesenen, abgeschlossenen Sache. Sie ist eine gegenwärtige Möglichkeit – für den, der sich öffnet. Die Yamabushi-Tradition hat dafür konkrete Praktiken: bestimmte Orte, die aufgesucht werden, bestimmte Rituale, bestimmte Atemübungen, die in die Verbindung mit den Bergspirits bringen. Das klingt für das westliche Ohr esoterisch. Es ist kulturell gesehen einfach die Praxis, die in Japan seit 1.500 Jahren ohne Unterbrechung läuft.

Auch in der Krieger-Linie, in der Mark Hosak steht – der Taguchi-Linie des Ninjutsu – ist die Tengu-Verbindung nicht Folklore. Sie ist das Herz dessen, was Taguchi Sensei weitergegeben hat: Die Bewegungen, die nicht aus dem Übenden kommen, kommen aus den Tengu. Wer über Jahre mit Demut übt, wird irgendwann von ihnen unterwiesen. Das ist die Struktur, in der diese Linie arbeitet.

„Viele Dinge die ich zeige, habe ich selbst nie gesehen – sie fließen durch mich hindurch."
Dr. Mark Hosak

Dieser Satz ist kein Understatement, sondern eine Beschreibung. Die Spirits, von denen hier die Rede ist, tragen im japanischen Kontext den Namen Tengu. Im daoistischen Kontext wären es die Xian, die Unsterblichen. Im philippinischen Kontext die Diwata. Die verschiedenen Namen beschreiben verwandte Realitäten aus der jeweiligen kulturellen Perspektive.

Warum dieses Dojo so heißt

Damit wird auch der Name des Dojos sprechend. Tengu Akasha Dojo ist keine dekorative Kombination aus asiatisch-klingenden Wörtern. Jedes der drei Glieder trägt eine klare Bedeutung:

Tengu – die Wesen, die in der japanischen Überlieferung als Unterweiser der Kampfkunst gelten. Mit ihnen ist die Verbindung gemeint, durch die die Bewegung entsteht, die kein Mensch dem Übenden gezeigt hat.

Akasha – der unendliche Raum, aus dem diese Unterweisung kommt. Im Sanskrit das fünfte Element, im Buddhismus der Bodhisattva Kokūzō, in der westlichen Esoterik das nicht-physische Archiv des Gewesenen und Möglichen.

Dojo – der Ort, an dem der Körper sich öffnet, um Gefäß zu werden. Wörtlich: „Weg-Platz". Nicht die Schul-Turnhalle, sondern der rituelle Ort, an dem die körperliche Praxis zur Übertragung wird.

Zusammen beschreibt der Name den Rahmen, in dem hier gearbeitet wird: die Tengu unterweisen aus dem Akasha-Raum durch den Körper des Übenden hindurch. Wer diesen Satz ernst nimmt, versteht, worum es hier nicht geht (Sport, Selbstverteidigung, Fitness) und worum es geht (eine sehr alte Form körperlicher Praxis, in der der Körper transparent wird für Dimensionen, die größer sind als er selbst).

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