

Vor dem Einsatz
Die klassische Anwendung des Kuji Kiri ist die Vorbereitung vor einem ernsthaften Einsatz. Der Krieger – oder in der heutigen Praxis: der Übende vor einer wichtigen Trainingseinheit oder einer energetischen Arbeit – zieht sich kurz zurück, stellt sich aufrecht, und zieht die neun Siegel in der klassischen Reihenfolge.
Die gesamte Sequenz dauert zwei bis drei Minuten. Was danach passiert, ist ein Körper-Geist in einem spezifischen Zustand – präsent, wach, zentriert, mit offenen Kanälen und wacher Wahrnehmung.

Die Atmung
Die Atmung im Kuji Kiri folgt einem spezifischen Muster. Pro Siegel: einatmen beim Einnehmen der Mudra, Mantra rezitieren im Ausatmen oder auf dem Atemhalten, dann die Mudra lösen und zur nächsten übergehen.
Der Atem sollte tief in den Bauch gehen, nicht in die Brust. Die japanische Tradition spricht vom Hara – dem Zentrum im unteren Bauch, etwa drei Fingerbreit unter dem Nabel. Wer den Atem dort hinführt, aktiviert das Energiezentrum, das alle Mudras speist.
Die Reihenfolge
Die klassische Reihenfolge ist streng: Rin → Pyō → Tō → Sha → Kai → Jin → Retsu → Zai → Zen. Jedes Siegel bereitet das nächste vor. Rin öffnet die Präsenz. Pyō öffnet die Kanäle, durch die die folgenden Qualitäten fließen können. Tō öffnet die Harmonie, die Sha mit Kraft füllt. Und so weiter.
Warum diese Reihenfolge? Weil der Körper in dieser Ordnung am effizientesten in den vollen Zustand gebracht wird. Eine andere Reihenfolge würde funktionieren, aber weniger sauber. Jahrhunderte der Praxis haben diese Reihenfolge als optimal etabliert.

Die innere Ausrichtung
Während der Sequenz ist der Geist nicht bei den Mudras oder den Silben. Er ist bei dem, was die Mudras und Silben öffnen – bei der Qualität. Rin zieht nicht nur die Handhaltung, sondern man ist Rin – man ist Präsenz. Pyō zieht nicht nur die Hand, man ist fließender Energiekanal.
Das ist der Unterschied zwischen äußerer Nachahmung und echter Praxis. Wer nur die Gesten macht, bekommt keine Wirkung. Wer in jeder Mudra wirklich in die Qualität einzieht, erlebt, wie sich der Körper verändert.
Anwendung im Heute
In der modernen Taguchi-Praxis wird Kuji Kiri nicht nur vor dem Kampf gezogen – den es in unserer Zeit selten gibt. Es wird angewandt vor:
Partnerübungen im Dojo – als Vorbereitung auf die körperliche Arbeit.
Wichtigen Gesprächen oder Präsentationen – als Zentrierung.
Meditationen – als Öffnung des energetischen Raumes.
Täglicher Morgen-Routine – als Setzung des Tages.
Besuchen an kraftvollen Orten (Kurama, Shikoku, anderen heiligen Orten) – als Anknüpfung.
Das Werkzeug ist universell. Die Kontexte variieren. Was immer gleich bleibt, ist die präzise Ausführung und die innere Verbindung.
In der Übertragung
Kuji Kiri wird nicht aus Büchern gelernt. Die Übertragung geht von Praktizierendem zu Praktizierendem – mit Korrektur der Mudra-Haltung, mit Justierung des Atems, mit dem Blick auf die inneren Qualitäten.
Wer die Praxis ernsthaft aufnehmen will, braucht diese Übertragung. Der Einstieg läuft über den Newsletter und die dort angekündigten Praxis-Einheiten. Von dort geht der Weg weiter in die Live-Events, in denen die Kuji-Kiri-Sequenz direkt am Körper des Übenden korrigiert wird.