Thema · Der Weg durch die Grade

Der Weg durch die Grade

昇段の道 · しょうだんのみち

Der Weg durch die Kyū-Stufen und darüber hinaus — vom grünen Gürtel über den blauen Gürtel des Genin bis zum Schwarzen Gürtel und darüber. Grade als innere Schwellen-Übergänge.

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Grade als Spiegel, nicht als Prüfungsplan

Der Weg durch die Grade ist in der Taguchi-Linie kein Prüfungsplan. Er ist eine innere Wanderung — eine Folge von Schwellen-Übergängen, an denen sich jeweils etwas öffnet, was vorher geschlossen war.

Wer die Grade verstehen will, muss sie von innen verstehen. Von außen sieht der grüne Gürtel wie ein Anfang aus und der 1. Dan wie ein Ziel. Von innen sieht es anders: Jeder Grad ist ein eigenes Stadium, mit einer eigenen Aufgabe, einer eigenen Öffnung. Der Weg endet nicht im 1. Dan. Er entfaltet sich dort.

Die Taguchi-Linie kennt neun Kyū-Grade — von der grünen Einstiegs-Schwelle bis zum schwarzen Gürtel des 1. Dan — und zehn Dan-Stufen darüber hinaus. Die Farb-Spur: Grün im Einstieg und im mittleren Fundament, Blau ab dem 5. Kyū bis zum 1. Kyū, Schwarz ab dem 1. Dan. Ein Großmeister trägt später den rot-weißen Gurt.

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9. Kyū · der grüne Gürtel — der Einstieg

Der 9. Kyū ist der erste Schwellen-Übergang. Er öffnet die Tür zur regelmäßigen Praxis in der Gemeinschaft. Was an dieser Schwelle gelegt wird, trägt alles, was danach kommt.

Auf dieser Stufe lernt der Körper die Grundsprache der Linie kennen: die Grundstellung Shizen, den seitwärts gehenden Schritt Yoko Aruki, die Grundhaltungen Doko no Kamae und Ichi Monji no Kamae, den zentralen Fauststoß Tsuki. Im Schwertkampf die drei zentralen Kamae — Dai Jōdan, Kongō, Seigan — und das Shinobi-Iai, das unauffällige Schwertziehen. Im Stockkampf die zwanzig Grundtechniken des Yonshaku-Bō. Im Messer die Trageweisen und die ersten Grundschnitte.

Der Übergang findet entweder an einem intensiven Wochenende statt oder über eine Reihe von Praxis-Einheiten in wöchentlicher Folge. Wer ihn hinter sich hat, trägt fortan den grünen Gürtel — und ist Teil der regulären Gemeinschaft.

8., 7. und 6. Kyū · die grüne Phase — das Fundament vertiefen

Zwischen dem 8. und dem 6. Kyū entfaltet sich das Herz der Grundlagen-Phase: die Kihon Juni Hō — die zwölf Grundtechniken des Tai-Jutsu, sechs aus dem weichen Jū-Tai-Jutsu und sechs aus dem harten Daken-Tai-Jutsu.

Die Kihon Juni Hō werden in drei Schritten vertieft. Im 8. Kyū kommen die Grundtechniken 1 bis 3 — Fauststoß-Abwehren, Befreiungen aus Kleidungsgriff, der Einstieg in Henkas je nach Fallschul-Reife. Im 7. Kyū die Grundtechniken 4 bis 6 — beidhändiges Jacke-Fassen, paralleles Handgelenkgreifen, Kleidungsgreifen mit Gegenhand-Schlag. Im 6. Kyū werden alle zwölf Techniken komplett und jede mit Auskontern beherrscht. Das ist nicht Sammeln, sondern Schichten — immer dieselben Prinzipien, aber in immer feinerer Auflösung.

In dieser Phase tauchen auch neue Elemente auf: Das Gendai Tai-Jutsu — moderne waffenlose Arbeit mit Prinzipien wie über den Daumen befreien und dem Silat-Faltschritt — kommt im 7. Kyū hinzu. Im Schwertkampf werden Yokomen Chudan, Kiri Age und Yokomen Jōdan eingeführt. Im Stock kommt der große Rokushaku-Bō (1,82 m) im 7. Kyū dazu. Im Hanbō die zwanzig Grundtechniken und die Spannschlag-Familie. Im Tantō die Arbeit im Ura-Griff und die Taguchi-Tantō-Tsuk Grundbewegung.

Ab dem 6. Kyū wird die Teilnahme an einem vertiefenden Praxis-Event zur Voraussetzung — Jūnan Taisō, Taihenjutsu und die Kihon Juni Hō werden dort gemeinsam und intensiv berührt. Zusätzlich wird an diesem Übergang ein zweitägiges Escrima-Grundlagen-Event empfohlen, weil die philippinischen Prinzipien ab hier in der Tanbō-Arbeit relevant werden.

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5. Kyū · der blaue Gürtel — Genin

Mit dem 5. Kyū wechselt die Farbe: Der grüne Gürtel weicht dem blauen. Und zum ersten Mal trägt der Übende einen klassischen Ninja-Titel — Genin (下忍). In der historischen dreistufigen Iga-Hierarchie ist der Genin die Grundstufe des Shinobi: unter dem Chūnin (Feld-Anführer) und dem Jōnin (Strategen). Wer den 5. Kyū trägt, ist inhaltlich Shinobi — nicht mehr nur Übender.

Diese Schwelle ist auch technisch ein Einschnitt. Das Koppō-Jutsu (骨法術) — das weiche Knochenbrechen — bekommt einen eigenen Grunddrill und eine Anwendung gegen Tantō-Stich. Das Gendai Tai-Jutsu weitet sich zum Umgang mit Würgen von vorn und hinten, mit Körperumklammerungen, mit der Abwehr von Stöcken und Messern. Im Nyo Ken-Jutsu erscheint das kürzere Mikken und die Oni Tsubushi als rituelle Finaltechnik — das Schwertnahkampf-Prinzip öffnet sich. Im Stock kommt das Nitanbō (Doppel-Tanbō) mit den ersten offenen und geschlossenen Sinawali-Flussübungen hinzu. Im Tantō wird das Prinzip des Dranbleibens, Schneidens, Schnippelns und Schlitzens eingeführt — plus der Drill für enge Räume oder gefesselte Lagen.

Wer den blauen Gürtel trägt, kann auch äußerlich sichtbar machen, was innerlich geschehen ist: Die Grundlagen sind im Körper, jetzt beginnt die eigene Linie zu arbeiten.

4. bis 1. Kyū · die offenere Phase

Ab dem 4. Kyū öffnet sich die Praxis zu einer freieren Form. Während in den unteren Graden systematisch und strukturiert gearbeitet wurde, beginnt jetzt eine individuellere Phase: eigene Schwerpunkte setzen, eigene Spezialisierungen, eigene Antworten auf situative Fragen. Neue Einflüsse einarbeiten oder traditionelle Elemente vertiefen — beides ist möglich, beides gleichwertig.

Körperliche Konstitution, Alter, Geschlecht und Lebenssituation finden in dieser Phase natürliche Berücksichtigung — bei der Auswahl der Techniken ebenso wie bei der Zuerkennung der Grade. Es geht nicht mehr darum, einer Norm zu entsprechen. Es geht darum, die Praxis in den eigenen Körper, in die eigene Lebenswirklichkeit hineinwachsen zu lassen. Vertiefende Praxis-Tage und Retreats ergänzen die regelmäßige Gemeinschaft.

In dieser Phase taucht auch das breiter entwickelte Gendai Tai-Jutsu auf — mit Elementen aus dem Wing Chun (Siu Nim Tau, Dan Chi, Lap Sau, Poon Sau, Chi Gerk) — und das Gendai Bo- und Tanto-Jutsu mit Sinawali, Sumbrada, Abanicos und weiteren philippinischen Prinzipien. Die Synthese der Traditionen wird praktisch erfahrbar. Mehr dazu im Artikel Die Synthese der Linie.

Vom 1. Kyū führt der Weg zum schwarzen Gürtel des 1. Dan — Gegen- und Gegen-Gegen-Bewegungen, Situationsarbeit auch klassisch in Seiza, das flüssige Verbinden von klassischem Tai-Jutsu mit Gendai Tai-Jutsu, eine wachsende Sensitivität.

1. Dan und danach

Der 1. Dan ist kein Abschluss. Er ist eine Öffnung. Was vorher gelernt wurde, darf sich jetzt entfalten. Ab hier ist der Weg nicht mehr vorgezeichnet. Die eigene Praxis trägt sich selbst. Der Übende wird zum Träger der Linie — nicht, weil er einen Titel trägt, sondern weil die Linie durch ihn hindurch fließt.

Über den 1. Dan hinaus öffnen sich zehn weitere Dan-Stufen. In den höheren Graden wird Ninjutsu nicht mehr als Technik-System verstanden, sondern als Lebensweg. Ein Großmeister trägt später den rot-weißen Gurt — eine Würde, die nicht vergeben, sondern empfangen wird.

Das ist der Punkt, an dem Taguchi Senseis Frage ihre volle Tiefe bekommt: Willst du richtig üben, oder willst du viele Techniken sammeln? Die Antwort bekommt man nicht im Kopf. Man bekommt sie im Körper, über Jahre.

Die Tiefen-Ebene — für Weggefährten

Die detaillierten Technik-Listen jeder Graduierungsstufe — mit allen Drills, Kamae, Henkas, Abwehrformen und Abschlusstechniken — werden in der Taguchi-Linie mündlich und in der direkten Praxis weitergegeben. Für angemeldete Weggefährten ist zusätzlich ein vollständiges Curriculum als PDF verfügbar. Dieses wird auf persönliche Anfrage zugesandt.

Warum nicht öffentlich? Weil Technik-Listen ohne die dazugehörige Praxis keinen Wert haben. Wer die Bewegungen lesen kann, aber den Körper nicht trägt, hat nichts gelernt. Wer in der Gemeinschaft übt, hat die Techniken in seinem Körper, bevor er sie in Worten braucht.

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